Wozu ein Buch?

Rasanter Fortschritt

Es gibt immer wieder Diskussionen um Sinn und Unsinn von Büchern zum Thema Modellflug. Ein Argument gegen ein Buch ist vor allem die immer wieder angeführte Schnelllebigkeit und rasante Entwicklung der Technik. Tatsächlich entwickelt sich die Technik weiter. Es gibt immer leistungsfähigere Motoren, FPV in HD Auflösung, Geschwindigkeitsregler mit weniger Verlusten und viele andere Dinge, die den Modellflug ständig im Kleinen oder Großen revolutionieren. Bedeutet das also, dass man einen Multicopter im Jahr 2015 anders baut, als im Jahr 2014 und dass der Multicopter aus dem Jahr 2014 im Jahr 2015 nicht mehr fliegt?

Ein Multicopter besteht aus drei wesentlichen Komponenten: einem Rahmen, einem Antrieb und einer Steuerung. Die Kunst ist dabei nicht, alle aktuellen Entwicklungen zu kennen, sondern diese drei Komponenten aufeinander und auf den Anwendungszweck abzustimmen. Welche Teile man auswählt, bestimmt der Zweck. Sobald man einem Bauteil konkrete Daten zuordnen kann, kann man sich auf die Suche nach einem möglichst gut passenden machen. Erst dann kann es wichtig werden, über neue Entwicklungen informiert zu sein.

Wenn man versteht, wie man zu diesen konrekten Daten kommt, kann man jeden beliebigen Multicopter bauen. Deshalb spielt es keine große Rolle, ob die Technik sich weiter entwickelt, wenn die im Buch beschrieben Technik nicht bereits durch eine ganz andere abgelöst wurde. Einer der Hauptgründe für das Buch war es, zu erklären, wie diese Abstimmung funktioniert und dies anhand der Bauprojekte praktisch umzusetzen.

Wieso zwei Bauprojekte mit DJI Naza?

Ein Multicopter ist eine komplexe Maschine. Bereits das Zusammenspiel von zwei Komponenten wie Flugsteuerung und Geschwindigkeitsreglern oder Geschwindigkeitsreglern und Motoren ist sehr kompliziert. Je mehr Bausteine zusammenwirken, desto komplizierter wird es. Für das Flugverhalten oder die Flugfähigkeit überhaupt muss die gesamte Kette bestehend aus Akku, Empfänger, Spannungsstabilisierung, Flugssteuerung, Geschwindigkeitsregler, Motoren, Propeller, Verkabelung und der jeweiligen Softwarekonfiguration von Flugsteuerung, Geschwindigkeitsregler und Empfänger perfekt sein. Jedes einzelne Teil kann dafür sorgen, dass der Multicopter nicht fliegt.

Die DJI Naza-Flugsteuerungen haben eines gemeinsam: sie sind mit sehr wenigen, verhältnismäßig einfachen Einstellungen zu konfigurieren. Durch die verpolungssicheren Stecker und die Unterstützung von PPM und S-BUS/D-BUS Empfängern ist zudem der Einbau wenig anspruchsvoll. Durch die Bauart ist die Naza-Flugsteuerung zudem wenig empfindlich für Störungen von außen beispielsweise für Vibrationen.

Verglichen mit APM oder MultiWii (oder den vielen MultiWii-Abkömmlingen) nimmt die Naza einfach eine Stufe der Komplexität weg. Sie bietet aber dennoch ausreichende Möglichkeiten zum Fliegen. Genau das macht sie für Einsteiger interessant. Aber auch für fortgeschrittene Anwender sind die Naza-Varianten kein Kinderspielzeug. Für einen stabil fliegenden, GPS-stabilisierten Multicopter für Videaufnahmen und Fotos ist die Naza den anderen Flugsteuerungen absolut nicht unterlegen. Mit der MultiWii wird im Buch stellvertretend für viele andere Flugsteuerungen eine weitere, weit verbreitete Flugsteuerung eingesetzt. Die APM ist noch einmal komplexer als die MultiWii und sehr viel empfindlicher für Störeinflüsse. Da, wo ein Multicopter mit einer Naza gut fliegt, kann durch den Austausch mit einer APM die Flugfähigkeit bereits aufhören.

Wäre das Thema das Buchs gewesen, möglichst professionelle Multicopter zu bauen, wäre als Flugsteuerung sicher eine Pixhawk oder A2 zum Einsatz gekommen. Dann wären auch die restlichen Komponenten andere gewesen und CNC-Fräse, 3D-Drucker und Tiefziehanlage zum Einsatz gekommen. Der Multicopter hätte einen Notfallschirm gehabt und mindestens 8 Antriebe, HD-Videoübertragung und eine Profi-Fernsteuerungsanlage. Als Einsteiger will man vermutlich aber in den ersten Multicopter keine 10.000 Euro investieren. Genauso möchte man sich als Einsteiger kaum Gedanken über unzählige Flugsteuerungsparameter machen und sich mit Graphen über Gyroskopdaten beschäftigen.

Zwei Leute mit drei Meinungen

Für den Einsteiger ist es extrem schwierig, sich im Netz in Blogs und Foren in das Thema Multicopter einzuarbeiten. Zu jedem Thema gibt es ausnahmslos konträre Ansichten und Aussagen. Als Einsteiger kann man kaum feststellen, welche dieser Aussagen richtig sind. Artikel und Diskussionen sind meist in sich geschlossen und es fehlt die Verbindung zu anderen Themen.

In Foren bekommt man in vielen Fällen auch nur Unterstützung, wenn man bereits in der Profiliga mitspielt. Das ist absolut auch nicht auf Multicopter beschränkt. Gerade als Unwissender wird man oft nur auf die Suchfunktion verwiesen – nicht selten auch recht unhöflich. Dabei verstehen genau die Leute, die darauf hinweisen nicht, was der Grund für ein Forum ist: die Diskussion und die gegenseitige Hilfe. Manche machen Foren einfach zu ihrem eigenen Besitz und beschäftigen sich mit viel Energie damit, andere über ihr vermeintlich falsches Verhalten aufzuklären.

Das Internet ist hilfreich, wenn es um Recherche und Diskussionen um Details geht. Es ersetzt aber keine Bücher. Nicht umsonst gibt es heute wie gestern Fachbücher. Niemand käme auf die Idee, Schule, Ausbildung und Studium durch das Internet zu ersetzen. Es ist keine Frage, das man mithilfe des Internets manchmal schneller ein Ziel erreicht. Natürlich kann man eine China-CNC-Fräse mit ein paar Artikeln aus dem Netz zusammenzimmern und in Betrieb nehmen. Wenn man mit schweren Verletzungen im Krankenhaus gelandet ist, fragt man sich, ob man nicht doch besser das Buch zum sicheren Umgang mit gefährlichen Maschinen und Werkzeugen gelesen hätte.

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